Matchberichte

Gute Moral bleibt unbelohnt

Im Verlaufe des Spiels sollte es auf dem Platz hitziger zu und hergehen, als es die garstigen Temperaturen anfänglich vermuten liessen. Die volle Zuschauertribüne sah in diesem Spiel zwei unterschiedliche Halbzeiten, diverse heisse Duelle, komische Entscheide, viele (aber zuwenige?) Karten und insgesamt 7 Tore. Die Zuger entschieden das Spiel schlussendlich mit 4:3 für sich.

 

Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar, wollte man die Tabellenführung wieder übernehmen, musste man Baar schlagen, andererseits würde man bei einer Niederlage erstmals aus den beiden ersten Rängen fallen. Das tiefe Terrain bereitete beiden Teams anfänglich Mühe, das Zusammenspiel war nicht einfach, viele Spieler glitten aus und es wurden viele schnelle und hohe Bälle in die Spitzen gespielt. In der 12. Minute pfiff der Schiedsrichter ein erstes Mal Penalty für Baar, dies nach einem Fehlpass im Aufbau der Gäste, als ein Zuger im Strafraum zu Fall kam. 1:0 für die Hausherren, eigentlich noch nichts passiert, trotzdem lag man im Rückstand. Das Spiel verlief dann hauptsächlich zwischen den Strafräumen, bis sich nach einer halben Stunde Pirmin Baumann durchsetzte und an der Strafraumgrenze noch den Ball auf Silvan Baumann rüberlegte, dem der Ball jedoch etwas versprang und die Chance ungenutzt verstrich. In der 38. Minute wurden die Urner mit einem Pass kalt erwischt und die Baarer gingen mit 2:0 in Führung. Nun hiess es diesem Rückstand nachrennen, Anspiel, Aufbau eines Angriffs via Verteidigung, Markus Bürgler erhielt den Ball, der Zuger Angreifer aufsässig zur Stelle, 3:0! Was für ein Schock. Eigentlich auf beiden Seiten wenig Gefährliches los, nichtsdestotrotz musste man mit diesem Rückstand in die Pause.

 

Anderes Gesicht sowohl auf wie auch neben dem Platz

Die Urner nahmen sich vor, die zweite Hälfte für sich zu entscheiden, man wollte dieses Spiel noch drehen und in der 55. Minute wurde das taktische Konzept umgestellt, was für den weiteren Verlauf des Spiels entscheidend sein sollte. In der 61. Minute ein erstes Zusammenspiel zwischen den neu eingewechselten Michael Traxel auf Michael Baumann, welcher ausserhalb des Strafraums erstmals abzog, der junge Baarer Torhüter jedoch mit einer schönen Parade das erste Tor für Erstfeld noch verhinderte. Der anschliessende Eckball, von Gian-Luca Tresch knapp aufs Tor gezogen, konnte vom Goalie nur bis vor die Füsse von Michael Traxel abgewehrt werden, welcher nun doch noch das Tor für Erstfeld erzielte. Dies setzte Energien frei und man spürte, dass hier noch etwas möglich war. So waren es in der 69. Minute wieder die Brüder Silvan und Pirmin Baumann, diesmal jedoch Silvan auf Pirmin, welcher den Anschlusstreffer zum 3:2 cool einnetzte. Baar, sowohl Spieler wie auch Zuschauer immer nervöser und lautstärker am Reklamieren, was sich teilweise auch auf die Gästemannschaft übertrug. Der Schiedsrichter konnte das Spiel leider über die ganze Dauer nicht beruhigen, Reklamationen hüben wie drüben wurden bereits in der ersten Halbzeit nicht unterbunden, im Gegenteil, jeder Einwurf, jeder Freistoss führte zu weiteren Diskussionen zwischen ihm und den Spielern, weil er ein paar Meter verschoben werden sollte, oder weil sich Spieler behackten beim Warten auf den zu spielenden Ball. So kam es dann wie es kommen musste in der hektischen Phase des Spiels, Nino Epp mit einem Ball auf Silvan Baumann, welcher via Innenpfosten zum Ausgleich traf. Drei Tore Rückstand egalisiert, nun war natürlich der Teufel los. Die Gemüter drehten spätestens nach einem All-In-Tackling von Nino Epp vor der Zuschauertribüne am Rad. Der Baarer Spieler lief an der Seite mit dem Ball, Nino mit einem seitlichen Tackling, traf sauber den Ball und im Rutschen natürlich auch den Baarer Spieler. Eigentlich Einwurf Baar und die Sache war gegessen, aber nicht so für den Hauptteil der Zuschauertribühne, den Staff und die Spieler von Baar. Der Unparteiische wurde von überall mit allerlei Nettigkeiten eingedeckt, was sich schlussendlich in 2 gelben Karten wegen Reklamierens und einer Wunderheilung des Spielers auflöste. Er hätte gut und gerne Karten wie Ich-kaufe-dein-Auto-Flyer verteilen können und niemand hätte sich beschweren dürfen. Leider geht das aber nur für die Akteure auf dem Feld. Die Nervosität, Hektik und Aggressivität war in diesem Moment leider allgegenwärtig. Baar griff aus diesem Einwurf heraus an, der Ball kam seitlich in den Strafraum der Urner und plötzlich ein Pfiff. War der Schiedsrichter wenige Sekunden zuvor noch der grösste Buhmann, war er ab jetzt der Held. Für was es den Elfmeterpfiff gab, darüber scheiden sich die Geister und das sagt eigentlich alles über den Pfiff aus, vermutlich niemand ausser der Schiedsrichterrapport wird den Grund genau kennen. Sei es drum, dieser wurde sauber verwandelt und so waren die Baarer wiederum in Führung und die Urner ihrerseits mussten wieder einem Rückstand hinterherrennen. Im Jubel der Einheimischen ging fast unter, dass ihr junger Torhüter gleichzeitig in seinem Strafraum am Boden lag. Er konnte jedoch nach kurzer Pflege das Spielfeld aufrecht verlassen, tat dies jedoch nicht über die Strecke von 10m, sondern wurde über den Platz geführt bis zur Spielerbank, was dann eine gelbe Karte für die Erstfelder Bank nach sich zog, nachdem man lautstark gefordert hatte, dass er den Platz doch bitte über den kürzesten Weg verlassen soll. Nichtsdestotrotz wünschen wir ihm gute Besserung, denn ohne Fremdeinwirkung abseits des Spielgeschehens zu Boden zu sinken, lässt nichts Gutes erahnen. Das Zeitspiel sollte ab dann aber zum Matchplan der Zuger werden, ein Wechsel nach dem anderen, wenn möglich der Spieler mit dem weitesten Weg, bis es dem Unparteiischen auch zuviel wurde als ein Spieler an der entgegengesetzten Eckfahne den Weg zur Bank unter die Füsse nehmen wollte und darauf hingewiesen wurde, dass es Regeln gibt für den kürzesten Weg. Auch hier unverständlicherweise sogar noch Diskussionen mit dem Spieler dann doch noch die gelbe Karte. Leider kam dieses Mittel viel zu spät zum Einsatz, andernfalls wäre eine gewisse Hektik vielleicht gar nicht entstanden. Schlussendlich kamen die Gäste in der dementsprechend langen Nachspielzeit noch zu zwei, drei Eckbällen, bei denen es zwar jedesmal Spannung gab, jedoch aus dem Gewühl heraus immer die Abwehr ein Bein mehr dazwischen hatte und so blieb es bei diesem 4:3.

 

Fazit

Es war ein komisches Spiel an diesem regnerisch kühlen Abend in Baar. Die Gäste gingen in der ersten Hälfte nicht als schlechteres Team unter. Man hatte gar nicht das Gefühl, dass Baar besser war, trotzdem sagte die Anzeigetafel etwas komplett Anderes aus. In der zweiten Halbzeit dann aber das kämpferische und spielerische Element zurück im Team der Erstfelder. Sie fighteten um jeden Ball, liessen ihn auch besser laufen, die Baarer jedoch immer gefährlich über die schnellen Gegenstösse. Die Supermoral der Erstfelder blieb am Schluss jedoch leider unbelohnt, durch einen Strafstoss, der eher nach Kompromissentscheid für all den Unmut kurz vorher aussah, als nach einem wirklich berechtigten Elfmeter. Nichtsdestotrotz hat man das Spiel in der ersten Halbzeit verloren und nicht durch diesen Entscheid alleine. Erstfeld befindet sich nun erstmals seit Meisterschaftsbeginn nicht mehr in den ersten beiden Positionen. Nun heisst es am Wochenende diese Niederlage vergessen machen und gegen Muotathal zum Siegen zurückzufinden.


12.10.2021

Meisterschaft
4
3
Austragungsort: Sportanlage Lättich
Zuschauer: 200
Schiedsrichter: Pnishi Walker Gëzim
Tore: 1:0 12. Bulut (Pen), 2:0 38. Smilari, 3:0 39. Reci, 3:1 61. Traxel M., 3:2 68. Baumann P., 3:3 70. Baumann S. 4:3 78. Reci (Pen)